Mathe einfach erklärt
Gleichungssysteme lösen: 3 Verfahren einfach erklärt
Gleichungssysteme lösen klingt nach drei verschiedenen Methoden, die du dir alle merken musst – aber eigentlich machen alle drei dasselbe: Sie machen aus zwei Gleichungen mit zwei Unbekannten eine Gleichung mit nur einer Unbekannten. Ich bin Niru, Mathe-Nachhilfelehrer, und in diesem Beitrag bekommst du Einsetzungs-, Gleichsetzungs- und Additionsverfahren mit je einem durchgerechneten Beispiel, die grafische Lösung über den Schnittpunkt zweier Geraden und die beiden Sonderfälle – plus eine Faustregel, wann welches Verfahren am schnellsten ist.
Kurz gesagt: Ein lineares Gleichungssystem (LGS) besteht aus zwei Gleichungen mit zwei Unbekannten, z. B.
2x + y = 7undx − y = 2. Gelöst ist es durch ein Zahlenpaar(x | y), das beide Gleichungen erfüllt. Du findest es mit dem Einsetzungs-, Gleichsetzungs- oder Additionsverfahren – oder grafisch als Schnittpunkt der beiden Geraden. Welches Verfahren du nimmst, hängt nur davon ab, wie die Gleichungen gerade dastehen.
Was ist ein lineares Gleichungssystem?
Ein lineares Gleichungssystem (kurz LGS) sind zwei Gleichungen, die gleichzeitig gelten sollen, mit zwei Unbekannten – meist x und y. Linear heißt: Beide Variablen kommen nur in der ersten Potenz vor, also kein x², keine Wurzel, kein x im Nenner.
Geometrisch beschreibt jede der beiden Gleichungen eine Gerade. Die Lösung des Systems ist das Zahlenpaar (x | y), das in beide Gleichungen passt – also der Punkt, in dem sich die beiden Geraden schneiden. Genau deshalb gibt es meist genau eine Lösung, manchmal aber auch keine oder unendlich viele.
| Lage der Geraden | Anzahl der Lösungen |
|---|---|
| schneiden sich in einem Punkt | genau eine Lösung |
| parallel (verschieden) | keine Lösung |
| identisch (dieselbe Gerade) | unendlich viele Lösungen |
Wann nehme ich welches Verfahren?
Die drei rechnerischen Verfahren liefern immer dasselbe Ergebnis – sie unterscheiden sich nur darin, wie viel Umformen du brauchst. Diese Faustregel gebe ich allen meinen Schülern mit:
| Wie sehen die Gleichungen aus? | Bestes Verfahren |
|---|---|
Eine Variable steht schon allein (y = ...) | Einsetzungsverfahren |
Beide nach derselben Variable aufgelöst (y = ... und y = ...) | Gleichsetzungsverfahren |
Beide in der Form ax + by = c | Additionsverfahren |
Kurz: Erst gucken, wie die Gleichungen dastehen – dann das Verfahren wählen, das am wenigsten Arbeit macht.
Einsetzungsverfahren
Idee: Eine Gleichung nach einer Variable auflösen und diesen Ausdruck in die andere Gleichung einsetzen.
Beispiel:
(I) y = 2x − 1
(II) 3x + y = 9
Gleichung (I) ist schon nach y aufgelöst – perfekt. Ich setze 2x − 1 für y in (II) ein:
3x + (2x − 1) = 9
5x − 1 = 9
5x = 10
x = 2
Jetzt x = 2 in (I) einsetzen:
y = 2 · 2 − 1 = 3
Lösung: (x | y) = (2 | 3). Probe in (II): 3 · 2 + 3 = 9 ✓
Gleichsetzungsverfahren
Idee: Sind beide Gleichungen nach derselben Variable aufgelöst, kannst du die beiden rechten Seiten gleichsetzen.
Beispiel:
(I) y = 3x − 4
(II) y = −x + 8
Beide stehen nach y aufgelöst da, also setze ich gleich:
3x − 4 = −x + 8 | + x
4x − 4 = 8 | + 4
4x = 12
x = 3
x = 3 in (I) einsetzen:
y = 3 · 3 − 4 = 5
Lösung: (x | y) = (3 | 5). Probe in (II): −3 + 8 = 5 ✓
Übrigens ist das genau die rechnerische Version des Schnittpunkts zweier Geraden – dazu gleich mehr.
Additionsverfahren
Idee: Die Gleichungen so geschickt addieren (oder subtrahieren), dass eine Variable wegfällt. Manchmal musst du vorher eine Gleichung mit einer Zahl multiplizieren, damit die Koeffizienten passen.
Beispiel:
(I) 2x + 3y = 13
(II) 4x − 3y = 5
Die y-Glieder sind +3y und −3y – die heben sich beim Addieren auf. Ich rechne (I) + (II):
(2x + 4x) + (3y − 3y) = 13 + 5
6x = 18
x = 3
x = 3 in (I) einsetzen:
2 · 3 + 3y = 13
6 + 3y = 13
3y = 7
y = 7/3
Lösung: (x | y) = (3 | 7/3). Probe in (II): 4 · 3 − 3 · 7/3 = 12 − 7 = 5 ✓
Wenn die Koeffizienten nicht direkt passen, multiplizierst du erst: Aus x + 2y = 4 und 3x + y = 7 machst du z. B. die erste Gleichung mal −3, dann steht −3x da und fällt mit 3x weg. Mehr zum Umformen findest du im Beitrag zu Termen und Termumformungen.
LGS grafisch lösen
Jede Gleichung lässt sich in die Form y = mx + b bringen – also als Gerade zeichnen. Der Schnittpunkt beider Geraden ist die Lösung des Systems.
Beispiel: (I) y = 2x − 1 und (II) y = −x + 5
Beide Geraden zeichnest du über Steigung und y-Achsenabschnitt (Details im Beitrag zu linearen Funktionen). Sie schneiden sich bei (2 | 3). Zur Kontrolle rechnerisch (Gleichsetzungsverfahren):
2x − 1 = −x + 5
3x = 6
x = 2, y = 2 · 2 − 1 = 3
Die grafische Methode ist anschaulich, aber ungenau: Bei krummen Lösungen wie 7/3 liest du am Gitter nur Näherungen ab. Für exakte Werte nimmst du immer eines der drei Rechenverfahren.
Sonderfälle: keine und unendlich viele Lösungen
Nicht jedes LGS hat genau eine Lösung. Beim Rechnen merkst du das daran, dass beide Variablen verschwinden:
Keine Lösung (parallele Geraden):
(I) y = 2x + 1
(II) y = 2x + 4
Gleichsetzen: 2x + 1 = 2x + 4 → 1 = 4. Das ist eine falsche Aussage, also gibt es keine Lösung. Die Geraden haben dieselbe Steigung 2, aber verschiedene y-Achsenabschnitte – sie sind parallel.
Unendlich viele Lösungen (identische Geraden):
(I) y = 2x + 1
(II) 2y = 4x + 2
Teile (II) durch 2: y = 2x + 1 – das ist genau (I). Gleichsetzen ergibt 2x + 1 = 2x + 1 → 0 = 0, eine wahre Aussage. Beide Gleichungen beschreiben dieselbe Gerade, also sind unendlich viele Paare Lösung.
Häufige Fehler meiner Schüler
Erstens: das berechnete x nur in eine Gleichung einsetzen und das y vergessen – eine Lösung ist immer ein Paar (x | y). Zweitens: beim Additionsverfahren vergessen, beim Multiplizieren jeden Summanden mit der Zahl zu multiplizieren (−3 · (x + 2y) = −3x − 6y, nicht −3x + 2y). Drittens: bei einem Minus-Vorzeichen vor der Klammer falsch auflösen, also 3x + (2x − 1) mit 3x + 2x − 1 verwechseln mit dem Fall 3x − (2x − 1) = 3x − 2x + 1. Und viertens: bei 0 = 0 oder 1 = 4 in Panik verfallen, statt es als Sonderfall (unendlich viele bzw. keine Lösung) zu erkennen.
Lineare Gleichungssysteme – Aufgaben und Übung
Gleichungssysteme sind ein Klassiker der Klasse 8/9 und gehören zu den festen ZP10-Themen in Mathe (NRW). Übe am besten so: Gleichungen hinschreiben, zuerst mit der Tabelle oben das Verfahren entscheiden, rechnen – und immer die Probe in beiden Gleichungen machen.
Weitere passende Bausteine findest du im Mathe-erklärt-Überblick.
Gleichungssysteme endlich sicher lösen
Du verwechselst die drei Verfahren oder bleibst bei den Sonderfällen hängen? In der 1:1-Nachhilfe zeige ich dir Schritt für Schritt, welches Verfahren wann am schnellsten ist – und übe mit dir an echten Prüfungsaufgaben.
Kostenloses ErstgesprächFazit: Ein lineares Gleichungssystem zu lösen heißt, aus zwei Gleichungen eine mit nur einer Unbekannten zu machen. Steht eine Variable schon allein, nimm das Einsetzungsverfahren; stehen beide nach derselben Variable aufgelöst da, das Gleichsetzungsverfahren; stehen sie als ax + by = c, das Additionsverfahren. Grafisch ist die Lösung der Schnittpunkt zweier Geraden. Wähl bewusst das passende Verfahren, mach die Probe – und Gleichungssysteme werden zur sicheren Punktequelle.
Häufige Fragen
Welche Verfahren gibt es, um Gleichungssysteme zu lösen?
Es gibt drei rechnerische Verfahren: das Einsetzungsverfahren, das Gleichsetzungsverfahren und das Additionsverfahren. Zusätzlich kannst du ein LGS grafisch lösen, indem du beide Geraden zeichnest und den Schnittpunkt abliest. Alle vier führen bei korrektem Rechnen zur selben Lösung.
Wann nehme ich welches Verfahren?
Ist eine Variable schon allein (z. B. `y = ...`), nimm das Einsetzungsverfahren. Stehen beide Gleichungen nach derselben Variable aufgelöst da, nimm das Gleichsetzungsverfahren. Stehen die Gleichungen in der Form `ax + by = c`, ist das Additionsverfahren meist am schnellsten.
Was bedeutet die Lösung eines Gleichungssystems grafisch?
Jede Gleichung beschreibt eine Gerade. Die Lösung des Systems ist der Schnittpunkt der beiden Geraden, denn dort gelten beide Gleichungen gleichzeitig. Die Koordinaten `(x | y)` des Schnittpunkts sind genau dein Lösungspaar.
Wann hat ein LGS keine oder unendlich viele Lösungen?
Keine Lösung gibt es, wenn die beiden Geraden parallel sind (gleiche Steigung, anderer y-Achsenabschnitt) – beim Rechnen entsteht eine falsche Aussage wie `0 = 5`. Unendlich viele Lösungen gibt es, wenn beide Gleichungen dieselbe Gerade beschreiben – dann kommt eine wahre Aussage wie `0 = 0` heraus.
Wie mache ich die Probe bei einem Gleichungssystem?
Setze dein Lösungspaar `(x | y)` in BEIDE ursprünglichen Gleichungen ein. Nur wenn beide Gleichungen erfüllt sind, ist deine Lösung richtig. Diese Probe kostet 30 Sekunden und rettet in der Klausur viele Punkte.


